Veränderte Vokalisationsrate und Vokalisationsstruktur während des Brunstzyklus beim Milchrind
Die korrekte Feststellung der Brunst in Milchrinderherden ist nach wie vor ein Problem. Neben der konventionellen visuellen Brunstbeobachtung durch den Menschen gibt es eine Reihe anderer Verfahren, mit denen nicht immer befriedigende Brunsterkennungsraten gewährleistet werden. Wir entwickelten eine Methode zur kontinuierlichen automatischen Aufnahme der Vokalisation von Jungrindern um den Brunsthöhepunkt. Bei Jungrindern in Anbindehaltung (n = 10) wurde gezeigt, dass es zum Brunsthöhepunkt zu einem Ansteigen der Vokalisationsrate kommt. Die Vokalisationsrate stieg vom Tag –2 zum Tag 0 (Tag der Brunst) um ca. 84 % und vom Tag –1 zum Tag 0 um ca. 59 %. Nach dem Tag 0 sank die Vokalisationsrate um 79 %. Das Ansteigen und Absinken der Rate korrelierte mit der visuellen Brunstbeobachtung durch das Stallpersonal und dem Verlauf der Progesteronkonzentration. Es wurden zwei verschiedene Strukturen in der Vokalisation der Tiere gefunden. Die harmonische Struktur zeigte regelmäßige Frequenzbänder, während die nicht harmonische Struktur durch geräuschhafte, verrauschte Anteile gekennzeichnet war. Die Annahme, dass die verrauschten Anteile zum Brunsthöhepunkt zunehmen, konnte bestätigt werden. Anhand dieser Untersuchungen scheint es möglich zu sein, Informationen über den Brunsthöhepunkt aus der Vokalisationsanalyse zu erhalten. Damit könnte die beschriebene Methode (Patent), wenn sie auch auf frei laufende Tiere anwendbar wäre, alleine oder in Kombination mit anderen automatischen Brunsterkennungssystemen die Brunsterkennungsrate erhöhen.